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Schlossmuseum

Geboren in Aschaffenburg: Ernst Ludwig Kirchner

"Das erste, was ich im Leben sah, waren die fahrenden Lokomotiven und Züge, sie zeichnete ich, als ich sechs Jahre alt war. Vielleicht kommt es von daher, daß mich besonders die Beobachtung der Bewegung zum Schaffen anregt." E. L. Kirchner, 1930

Ernst Ludwig Kirchner, Gründungsmitglied der Künstlervereinigung „Brücke“, zählt heute zu den wichtigsten Wegbereitern der Moderne.

Kirchner kam am 6. Mai 1880 in Aschaffenburg zur Welt. Geboren wurde er in einem Haus, das die Eltern gegenüber dem Bahnhof, in der heutigen Ludwigstraße 19, angemietet hatten. Den Kinderjahren Kirchners in Aschaffenburg folgten die Eindrücke und Erfahrungen der Großstädte Dresden und Berlin, die Berührung mit der Kunst der europäischen Avantgarde.

Die Katastrophe des Ersten Weltkriegs riss Kirchner in eine tiefe Depression, er zog sich in sein Refugium in den Schweizer Bergen zurück. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und der Beschlagnahmung seiner Bilder verdüsterte sich sein Zustand zur existenziellen Krise. 1938 setzte Ernst Ludwig Kirchner im Schweizer Exil seinem Leben ein Ende.

  • Rückzugsgebiet Schweizer Alpen

    Das Gemälde zeigt die Aussicht vor Kirchners Hütte in den Schweizer Bergen unterhalb des Tinzenhorns in Richtung Süden. Im Entstehungsjahr des Gemäldes bezog er mit Erna Schilling das „Haus in den Lärchen“ in Davos. Der Blick fällt auf weitere, tiefer gelegene Berghütten und auf das Spiel der durch das Tal heraufziehenden Nebelschwaden.

    Der nervöse und doch kräftige Malstil verweist noch auf die in Kirchners Berliner Zeit entstandenen Großstadtgemälde, wie etwa die berühmten „Straßenszenen“.

    E. L. Kirchner, Stafelalp im Nebel, Öl/Leinwand, 1918, Museen der Stadt Aschaffenburg, Inv.-Nr. MSA Dep. BLS 1/2002, Leihgabe der Bayerischen Landesstiftung

  • Blick Kirchners auf den alten Bahnhof in Aschaffenburg

    Auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofs liegt das Geburtshaus E. L. Kirchners. Das Geburtshaus des expressionistischen Malers ist denkmalgerecht saniert worden.

    2013 richtete der Verein KirchnerHAUS Aschaffenburg in der früheren Wohnung der Familie einen Dokumentationsraum zur Kindheit Kirchners ein. Anfang 2014 wurden weitere Räume im Erdgeschoss für Ausstellungen, Vorträge und Veranstaltungen angemietet. Die Stadt Aschaffenburg unterstützt den Verein KirchnerHAUS Aschaffenburg regelmäßig finanziell.

    KirchnerHAUS Achaffenburg

     Bahnhof von Aschaffenburg, historische Aufnahme um 1890, Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Fotosammlung

    Bahnhof von Aschaffenburg, historische Aufnahme um 1890, Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Fotosammlung

  • Kirchners Reflexion seines Geburtsortes

    Kirchners Skizzenbuch Nr. 62 aus dem Jahr 1919, das heute im Kirchner Museum Davos aufbewahrt wird, enthält auf der ersten Seite eine Skizze seines Elternhauses in Aschaffenburg und dazu folgenden handschriftlichen Text des damals 39jährigen:

    „Noch heute sehe ich etwa die Züge roter Backsteinmauern im Hofe meines Geburtshauses das Haus mit dem Ziehtor (…)diese gespenstisch große Welt (…) die vollen Züge drüben auf dem Bahnhof (…) Ich zeichnete alles, was ich sah. So ließ sich die Furcht eindämmen. Wie gerne hatte mein Vater die Zeichnungen damals. Das Zeichnen hat immer geholfen, geholfen das Leben zu erhalten. So wurde ich Maler (…) das Malen gab mir Rückgrat (…).“

    Kirchner Museum Davos

  • Nach der Großstadt, Eindrücke der Natur

    In der Landschaft um den Schweizer Kurort Davos in den Bergen Graubündens suchte Kirchner Abstand zu seinen Erlebnissen der Kriegszeit und erhoffte sich körperliche Genesung. Er verbrachte dort fast seine gesamte zweite Lebenshälfte bis zu seinem Freitod 1938.

    In der Schweiz wendete er sich von den Eindrücken und Motiven der Großstadt, wie er sie in Dresden und Berlin studiert hatte, ab und begann die Natur in ihren Spielarten von Licht und Farbe und insbesondere die gigantischen Formmassen der Berge sowie die räumlichen Tiefen der Landschaft zu verarbeiten.

    Ernst Ludwig Kirchner, Die Baumgrenze, Öl/Leinwand, 1918, Museen der Stadt Aschaffenburg

  • Kirchner als Zeichner

    Kirchner erfasste sein Modell mit raschen Zügen bei der Toilette. Die junge Frau sitzt, nach rechts gewendet, mit übereinander geschlagenen Beinen vor dem Spiegel und legt Hand an ihre Frisur.

    Nicht dauerhaft präsentiert in der Dauerausstellung ist die grafische Sammlung mit Werken Kirchners in den Museen der Stadt Aschaffenburg.

    Ernst Ludwig Kirchner, Sich kämmendes Mädchen, Tuschpinselzeichnung, um 1916, Museen der Stadt Aschaffenburg.